Kirk: Scotty, wie sieht’s aus?
Scotty: Captain… (lange, dramatische Pause) Die Dilithiumkristalle sind gebrochen, die Reparatur dauert mindestens vier Wochen!
Kirk: Ich geb Dir vier Stunden!
Scotty: Okay, Captain, ich mach’s in zwei.

In Space Cadets sind die Mitspieler Teil einer Raumschiffcrew, die zur Abschussprüfung des Raumschiffführerscheins durch ein Portal geschubst wurden und nun die Aufgabe haben mehrere seltene Kristalle einzusammeln ehe sie sich ein neues Portal aufbauen durch welches sie am Ende fliehen können. Klingt gefährlich und das ist es auch.
Alle Spieler verkörpern eine Aufgabe auf der Brücke des Raumschiffs: Den Captain, der sich hauptsächlich um die Koordination und das große Ganze kümmert, den Steuermann, die Navigations- und Waffenoffiziere (selbstverständlich ist man da draußen nicht allein und muss sich auch diverser Feinde erwehren, und irgendwann kommt dann auch noch die Nemesis, um den Rekruten ordentlich Dampf unterm Hintern zu machen (mit Laser und Photonentorpedos)). Außerdem gibt es noch einen Experten zur Zielvisierung, einen Bordmechaniker, der den einzelnen Bereichen Energie zur Verfügung stellt, einen Offizier für den Traktorstrahl und einen für die Schilde. Nicht zuletzt muss sich jemand darum kümmern das Portal vorzubereiten um am Ende zu entkommen.
Je nachdem wie viele Mitspieler es gibt werden diese Aufgaben unterschiedlich aufgeteilt.

Space Cadets wird kooperativ gespielt. Alle Mitspieler übernehmen einen oder mehrere der oben genannten Aufgaben und führen sie in der entsprechenden Phase der Spielrunde durch. Und genau das ist das Besondere an Space Cadets: Zum einen sind diese Aufgaben alle unterschiedliche Minispiele und dann müssen sie auch noch in nur dreißig Sekunden bewältigt werden. So gibt es eine Besprechungsphase und nach dieser versuchen alle Spieler gleichzeitig in einer halben Minute die wesentlichen Schiffsbereiche zu steuern. Anschließend werden die Bereiche abgehandelt, also es wird geschaut ob der Navigator das Schiff unbeschadet um Felsen, Anomalien und gegnerische Schiffe herumsteuern konnte und vor allem wo er es hin gesteuert hat. Dann werden die Schilde geladen, die Raketen abgefeuert und, und, und.

Danach handeln die gegnerischen Schiffe. Vielleicht muss noch Schaden absorbiert oder sogar ermittelt werden. Außerdem ist dies der Moment wo der Traktorstrahl eingesetzt werden kann um entweder andere Schiffe anzugreifen oder einen der Kristalle einzusammeln. Wenn alles abgehandelt wurde, beginnt die nächste Runde.

[Da ich hier nicht auf alle Minispiele eingehen möchte, der Beitrag würde dadurch nur sehr (sehr) lang, aber nicht unbedingt informativer werden, habe ich die Funktionsweise aller Bereiche kurz bei den Fotos erklärt (einfach auf das Bild klicken).]

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Captain:

Der Captain braucht den Überblick über das Geschehen, darum leitet er alle Spieler durch die einzelnen Phasen. Hier ist gerade die Actionphase in der die meisten anderen Bereiche aktiv sind. Die Phasen zwei, vier und sieben dienen dazu Dinge vor- oder nachzubereiten, alle anderen sind auf eine halbe Minute beschränkt (Ausnahme ist Phase eins, in der drei Minuten zum Abstimmen reichen müssen).
Helm:

Die Navigation. Der Steuermann muss aufpassen, dass das Schiff nicht mit schlimmen Dingen kollidiert. Außerdem liegt es an ihm das Schiff dorthin zu bringen, wo es gebraucht wird. Dafür kontrolliert er die Geschwindigkeit (der rote bis grüne Balken). Je schneller das Schiff, desto schwieriger ist es von Gegnern getroffen zu werden, doch desto schwieriger wird auch die Steuerung. In jeder Rudne zieht er für jede Geschwindigkeitsstufe eine Karte. Energie kann dazu eingesetzt werden mehr Karten zu ziehen um mehr Steuerungsoptionen zu haben oder die Geschwindigkeit anzupassen. Dann muss er diese in dreißig Sekunden in eine Reihenfolge bringen, die dem Schiff möglichst wenig schadet. die Extramaneuver unterhalb seines Tableaus kann er nutzen, riskiert dabei aber Schaden, wenn er Pech hat.
Shields:

Als Shield Operator muss man dafür sorgen, dass das Schiff dem Schaden durch Hindernisse im Raum oder durch gegnerische Schiffe nicht schutzlos ausgeliefert ist. Dafür deckt man, je nach dem wie viel ENergie man zugewiesen bekam, mehr oder weniger der hexagonalen Plättchen auf und muss diese dann zu Pokerkombinationen zusammen setzen (die zwei in der Mitte zählen für alle Seiten). Hier ist auch Absprache mit dem Navigationsoffizier hilfreich damit man weiß welche Seiten besonders bedroht sind.
Sensors:

Am Radar darf man die Ziele (Genger oder Kristalle) in den Fokus nehmen. Wenn man einen Fokus auf ein Ziel hat ist es viel leichter Schaden zu verursachen und selbstverständlich kann nur ein fokussierter Kristall mit dem Traktorstrahl ins Schiff gezogen werden. Dafür muss man blind das passende Teil für die jeweilige Sensorkarte aus dem Beutel fischen, aber Achtung! Man hat nur einen Versuch pro Ziel (und kann nur so viele Ziele anvisieren wie Energie zur Verfügung steht).
Weapons:

Hier werdne die Torpedos geladen (dazu kombiniert man die Plättchen auf der rechten Seite so, dass man eins der Karten-Puzzle lösen kann). Wenn der Torpedo abgefeuert wird ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das Holzscheibchen muss über das Tableau geschnippt werden und je nach dem wie gut dies gelingt entscheidet sich wie hoch der Schaden am gegnerischen Schiff ist.
Damage & Repair:

Hier geht es darum Schaden abzuwickeln. Sollten die Schilde nicht gereicht haben bekommt das Schiff Schaden. Dazu wird eine Karte auf der entsprechenden Seite aufgedeckt. Manchmal passiert nichts, manchmal werdne aber einzelne Bereiche in Mitleidenschaft gezogen und müssen repariert werden. Außerdem sieht man oberhalb des Tableaus die Karten für den Core Damage. Wenn der Kern beschädigt ist müssen alle zusätzlich eine oder mehrere der schwarz-weßen Karten nehmen und während der Action Phase die passende schwarz-grüne Karte finden, aber selbstverständlich nacheinander.
Engeneering:

Dieser Spieler ist für die Energieversorgung zuständig. Dazu müssen die sieben aufgedeckten Plättchen in einer möglichst günstigen Art und Weise kombiniert werden um dem Schiff genug Energie für seine wichtigsten Bereiche zur Verfügung zu stellen.
Tractor Beam:

Der Traktorstrahl dient dazu gegnerische Schiffe zu blockieren und Kristalle einzusammeln, doch dazu muss ersteinmal die passende Kombination gefunden werden und dann muss die Reichweite passen. Je schneller das Schiff ist, desto schwieriger wird dann auch noch der Umgang mit dem Strahl. Für jede Energieeinheit, die dem Schiff zur Verfügung gestellt wird dürfen zwei Plättchen umgedreht werden . Diese können, wenn man möchte - und man ein Paar gefunden hat - verwendet werden. Da diese Phase nach der Action Phase kommt dürfen alle Spieler hier mithelfen.
Jump Drive:

Der Jump Drive öffnet das Portal zurück. Um dieses öffnen zu können muss man einen Kniffel würfeln. Spendiert man dem Bereich bereits früh Energie kann er stattdessen durch Kombinationen diese Karten aktivieren. Diese erlauben es Würfel zu manipulieren um aus einem zufälligen Wurf den Kniffel zu basteln.
Eine kurze Anmerung in eigener Sache:

Manchmal kann Technik doof sein und einen böse an der Nase herum führen. Ich hatte ursprünglich geplant diese Bilder in einer Galerie zu bündeln und diese hier einzubinden. Das hat aber nicht so geklappt. Dann musste ich verschiedene Wege ausprobieren, wie man das so umsetzen könnte, dass die Bilder nicht einfach nur so da stehen sondern auch eine Erklärung anhängt.

Letztlich hat das die Veröffentlichung verzögert, aber ich hoffe es hat sich auch gelohnt.
Ciao Krisse

Space Cadets ist wirklich toll. Drei bis sechs Spieler steuern gemeinsam ein Raumschiff. Am Anfang muss man noch etwas in seine Rolle hinein finden, aber im Verlauf des Spiels wird es wirklich spannend. Da zwingt der schwere Treffer auf der linken Seite zwei Spieler ihre Position zu wechseln und plötzlich hat man eine gänzlich andere Aufgabe. Außerdem ist jeder Spieler sehr wichtig. Wenn zum Beispiel der Navigator das Schiff an den einzufangenden Kristall heran steuert, sollte er darauf achten so nah wie möglich neben ihm zu stoppen, denn sonst kann der Traktorstrahl nicht sinnig eingesetzt werden. Auch die Energieversorgung ist wichtig, sonst fehlt plötzlich einem wichtigen Bereich an Bord der nötige Saft um genutzt zu werden. Und wie will man damit umgehen, dass das Schiff auf der einen Seite so angeschlagen ist, dass man diese gar nicht mehr in Richtung Feind zeigen lassen sollte? Nimmt der Schaden zu kann auch noch der Antriebskern beschädigt werden und das bedeutet, dass dieser zusätzlich von allen Spielern während der dreißig Sekunden repariert werden muss. Gelingt das nicht explodiert er.

So spitzt sich die Situation im Raumschiff immer weiter zu. Mit einer Crew, die zusammen arbeitet und sich auf das Spiel einlässt macht dieser Höllenritt, der, trotz der kurzen Minispiele, meist um die zwei Stunden dauert, sehr viel Spaß. Das Spiel lebt davon, dass sich die Situation von Runde zu Runde verschlimmert und die Crew wirklich unter Druck gesetzt wird, doch so schweißtreibend der Job auf der Brücke ist, so erlösend und beglückend ist das Gefühl dem Schicksal von der Schippe zu hüpfen und mit einem arg ramponierten Schiff zurück zu kommen um dort seine verdiente Beförderung zum Absolventen entgegenzunehmen.

Ich habe das Spiel bisher vier (oder fünf?) mal gespielt und konnte drei erfolgreichen Missionen beiwohnen. Jede einzelne gewannen wir mit dem Glück auf unserer Seite und schweren Schäden am Schiff. Das Spiel ist wirklich, wirklich fordernd, aber machbar. Und auch wenn es mal nicht klappen sollte hat das dem Spielspaß keinen Abbruch getan.

 

Das Spiel wurde zwischen dem Erstellen dieses Beitrags (vor ziemlich genau einem Monat) und der Veröffentlichung dieses Artikels auch in deutsch angekündigt. Zur Spielemesse erscheint Space Cadets bei Asmodee und sollte bald auch im Spieltraum zu finden sein.

Weiterführende Links:

Space Cadets bei BoardGameGeek

Space Cadets im Spieltraum-Shop